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Uns dürstete bei unserem Spaziergang durch die Gassen der Stadt nach einem Imbiss - nach kurzem Überlegen fiel unsere Entscheidung darauf, im Jerusalem einzukehren. So wandelten eine Bekannte und ich durch die Gassen aus dem Innenstadtkern heraus zum Obermünsterplatz. Unscheinbar liegt hier der Jerusalem-Imbiss, welcher arabische Spezialitäten verkauft, wir traten ein.
Inwendig gleicht der Imbiss einem Dönerladen, rechts stehen zwei Holztische, links liegen in einer Glasvitrine, die auf einer glänzenden, schwarz gefliesten Mauer thront, Tomaten, Salat, Gurken, Blaukraut & Co gehäuft in ihren Behältern. Im Hintergrund drehen zwei Dönerspieße. Neben Klassikern der arabischen Küche, wie Schawarma und Laffa, werden auch zwei warme Tagesgerichte, ein vegetarisches und ein Fleischgericht, angeboten. Ich entschied mich für das Fleischgericht und meine Begleitung für einen Falafel-Schawarma ohne Blaukraut. Doch sollten wir nicht mit diesen Gerichten zum Tisch gehen.
Als wir an der Reihe waren, bestellten wir bei dem Angestellten hinter der Vitrine unsere Auswahl. Dieser wendete sich, schabte seelenruhig eine Portion Fleisch vom Drehspieß und häufte diese auf ein dünnes Fladenbrot. Meine Begleitung und ich warfen einander verwunderte Blicke zu, da die zubereitete Speise zu keiner unserer Bestellung passte. Doch wohl war es möglich, wie es denn auch in Dönerläden nicht unüblich ist, dass einer der Gäste, die vor uns bestellt, sein Gericht noch nicht erhalten hatte und dass das Fladenbrot mit Dönerfleisch das seinige war. Genüsslich schichtete der Angestellte Salat, Tomaten und Gurken, Zwiebeln und Blaukraut auf den Fladen, was uns erleichtert aufatmen lies und darin bestärkte, dass der Schawarma wohl für einen anderen Gast bestimmt sei. Als er dann jedoch meine Begleitung fragte, welche Soße sie denn zu ihrem Schawarma möge, wies diese ihn peinlich berührt darauf hin, dass sie einen Falafel-Schawarma, also keinen mit Fleisch, und noch dazu ohne Blaukraut bestellt habe. Der Angestellte schien in Gedanken noch bei den Soßen verhaftet und blickte uns verwundert ob der sichtlichen Erregtheit meiner Belgleitung fragend in die Augen. Rettend erschien in diesem Moment der Inhaber aus der Küchentür und klärte uns auf: der Angestellte komme nicht aus Deutschland, sei der deutschen Sprache noch kaum mächtig und werde im Jerusalem gerade angelernt. Er lies sich von uns die Situation schildern und erläuterte dem Angestellten unsere Bestellung anschließend auf arabisch. Um zu Verhindern, dass der bereits zubereitete Schawarma weggeworfen würde, erklärt ich mich bereit, statt meines Gerichtes diesen zu essen, vielleicht etwas vorschnell, denn einerseits wusste ich ja nicht, was mit dem Schawarma geschehen würde, andererseits entging es mir dadurch, im Zuge dieses Besuches das warme Tagesgericht zu testen. Nun denn, nachdem ich mich schon dazu bereit erklärt hatte, wollte ich mir keinen Rückzieher mehr eingestehen. Folgerichtig lies der Angestellte nun also ein paar Falafel in die Fritteuse purzeln und wir lehnten uns zurück an einen der Holztische und warteten. Wir beobachteten wie er, nachdem er die Bestellung der auf uns folgenden Kunden aufgenommen hatte, die Falafel auf ein flaches Fladenbrot reihte und mit dem Ergebnis zum Gemüse ging. Jetzt waren wir besonders wachsam und wie sich herausstellen sollte zurecht! Denn der Angestellte schichtete mit einer Zange Salat, Gurken, Tomaten und Zwiebeln auf den Schawarma und griff mit seiner Zange bereits eine Portion Blaukraut ab, als meine Begleitung erneut einschritt und ihn daran erinnerte, auf das Blaukraut zu verzichten. Wir beide, nun jeweils mit einer befriedigenden Mahlzeit ausgestattet, bewegten uns durch die Eingangstür ins Freie.
Auf der Straße vor dem Jerusalem befinden sich auf einem Holzboden und mit breiten, ausladenden Schirmen überdacht mehrere einfache Tische aufgestellt, an einen von denen wir uns setzten. Zum leichten Verzehr waren die Schawarma, obwohl wir vor Ort saßen, in Alufolie einwickelt und lagen auf zwei schönen, schwarz-weiß gemusterten Tellern. Wir bissen hinein und - was sollen wir sagen - die Qualität entschädigte für die Schwierigkeit der Bestellung. Tomaten, Gurken und Zwiebeln waren frisch und knackten beim Hineinbeißen, das Fleisch und die Falafel waren gewöhnlich und lecker. Das die Schawarma ummantelnde Fladenbrot war leicht angebacken und überdurchschnittlich voll befüllt. Wir genossen die Schawarma, unterhielten uns gelassen und beobachteten das ruhig vorbeischlendernden Menschen am Obermünsterplatz. Als wir sowohl mit dem Essen aus als mit unserem Gespräch fertig waren, erhoben wir uns, ließen die Teller am Tisch stehen, wie es von den umliegenden Tischen zu schließen hier üblich zu sein schien, und wandelten über das Kopfsteinpflaster wieder in die Stadt hinein.
Das Essen im Jerusalem ist überdurchschnittlich gut verglichen mit anderen Döner oder Schawarma anbietenden Restaurants in der Stadt. Ich war nicht das erste Mal zu Gast und kann aus vorherigen Besuchen berichten, dass die Tagesgerichte frisch, groß und lecker sind. Auch unsere Schawarma waren dick gefüllt. Dass gerade an diesem Tage, bei unserem Besuch, ein neuer Mitarbeiter angelernt wurde, mit dem sich die Kommunikation schwer gestaltete und dem wir wachsam auf die Finger äugen mussten, um unsere gewünschten Speisen zu erhalten, ist natürlich ein unschöner Zufall, den wir allerdings in unserer Bewertung berücksichtigen. Sonst ein geschmackvoller Ausflug in die arabische Kultur!
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